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Basale Stimulation

Die Basale Stimulation ist nichts wirklich Neues. Sie wurde bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Förderung behinderter Kinder eingesetzt und dann, in den 80ern für die
Pflege weiterentwickelt. Wir haben – ohne mit diesem Namen zu arbeiten – Teile daraus schon angewandt. Doch jetzt ist daraus ein rundes Konzept entstanden, dass für die tägliche Pflegepraxis
umzusetzen ist.

Schon seit einigen Jahren haben sich Angela Zark und Gabi Monsees für unseren Pflegedienst auf die Basale Stimulation spezialisiert. In zahlreichen Schulungen und Seminaren haben sie ihr Wissen nicht nur an unsere Mitarbeiter, sondern auch an viele andere Interessierte weitergegeben.

Was ist Basale Stimulation und welche Gedanken liegen ihr zu Grunde?

  • Basal = grundlegende erste Erfahrungen des Menschen
  • Stimulation = positives Anregung um eine Entwicklung möglich zu machen
  • Ziel = Entwicklung erfahren und aktiv werden können


In den 1970er Jahren hat Prof. Dr. Andreas Fröhlich, Sonderpädagoge und heilpädagogischer Psychologe ein Konzept entwickelt, das schwerst behinderten Kindern eine Förderung ihrer Erlebnis- und Wahrnehmungsfähigkeit ermöglichen sollte. Diese Kinder verspüren – wie alle anderen Menschen auch – ein elementares Bedürfnis nach Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation. Nur können sie dieses Bedürfnis sehr schwer selbstständig erfüllen. Bleiben ihnen Anregungen und Kontakte versagt, verkümmern ihre Fähigkeiten vollends. Wenn diese Kinder aber tatsächlich in ihrer Wahrnehmung gefördert werden sollen, muss eine Ebene der Kommunikation gefunden werden, auf die auch das Kind zurückgreifen kann. Eine Ebene also, die sich schon sehr früh – zum Teil schon vor der Geburt – gebildet hat, um voraussetzungslose Wahrnehmungserfahrungen zu ermöglichen: Ein Spüren der Körpergrenzen, ein sich-in-Bewegung-erleben, eine Lageveränderung im Raum oder das Entdecken des Inneren durch Vibrationen. Auf entsprechende Angebote reagieren die Kinder und können so eine ganz elementare Kommunikation entwickeln, die sie in ihrem Erleben begleitet und ihre Fähigkeiten fördert.

Basale Stimulation in der Erwachsenenpflege

Erwachsene, die durch Krankheit oder Unfall schwerste Bewusstseinsstörungen haben, verspüren dieses Bedürfnis nach Wahrnehmung (Aufmerksamkeit), Bewegung (Aktion) und Kommunikation (Verständigung) natürlich ebenso, auch wenn es manchmal nicht so scheint. Wir nutzen unsere Wahrnehmung ganz selbstverständlich: Wir sehen, schmecken, fühlen, hören, wir bewegen uns und wir verständigen uns mit anderen. Wahrnehmung ist für uns so selbstverständlich, dass wir erst darüber nachdenken, wenn wir ihre möglichen Grenzen erfahren. Ein Kind im Mutterleib nimmt bereits wahr und wir gehen davon aus, dass ein Mensch selbst im Stadium der Bewusstlosigkeit noch wahrnimmt. Was jeder Mensch als „wahr“ nimmt, ist individuell verschieden und wird im Laufe des Lebens von vielen Faktoren und Erfahrungen geprägt. Ein Geruch oder Geschmack zum Beispiel, wird von einem als angenehm und von anderen als ekelerregend empfunden. Diese umfassende Wahrnehmung ist die Grundvoraussetzung für Kommunikation.

Wie können wir aber mit einem durch einen Schlaganfall oder einer Demenz in seiner Wahrnehmung schwer beeinträchtigten Menschen kommunizieren?
Wir müssen auf diesen Menschen eingehen und versuchen, die Signale die er aussendet zu verstehen und zu deuten. Je weiter die Wahrnehmungsfähigkeit des Patienten eingeschränkt ist, je niedriger ist der gemeinsame Nenner, den wir für die Verständigung finden müssen.

Berührungen gehören zu den frühesten – basalen – Erfahrungen, die der Mensch macht und die wir alle gemeinsam haben. Darum hat die Berührung einen großen Stellenwert in der Basalen Stimulation: Sei es über Waschungen, beruhigend oder belebend, über Initialberührungen oder Massagen. Durch eine ausgleichende Massage oder Waschung entsteht zwischen Pflegekraft und Patient oder Patientin eine Nähe, die sehr viel Entspannung und Sicherheit vermittelt. Die Initialberührung ist eine ritualisierte Begrüßung, durch die der Patient Respekt und Vertrauen wahrnehmen kann und durch die er auf eine bestimmte Handlung oder ein Ereignis, das folgen wird, innerlich vorbereitet ist.

Individuelle Wahrnehmungserfahrungen über die Sinnesorgane sind für unsere Persönlichkeit prägend. Erdbeermarmelade oder Bratenduft, was ermuntert ihn zum Essen? Elvis oder Mozart? Regt Musik die Patientin an oder auf? Welche „Sinneserinnerungen” motivieren und helfen damit dem Kranken sich wieder selbst zu helfen? Der Pfleger oder die Pflegerin lässt hier sehr viel Zeit, Energie und auch Phantasie in so genannte Biografiearbeit fließen, um herauszufinden, was der Patient oder die Patientin mag und was nicht.

Die Basale Stimulation kann ganz sicher keine Wunder vollbringen. Es geht hier auch nicht um die Therapie einzelner Symptome: Tue ich dies, dann passiert das. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um das Grundbedürfnis menschlichen Seins nach Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation.

Was kann basal stimulierende Pflege erreichen?

Sie kann – je nach Intention – beruhigen oder anregen, Ängste abbauen, Sicherheit geben, an verlorene Fähigkeiten erinnern und sie wieder beleben.

Für welche Menschen ist basal stimulierende Pflege besonders geeignet?

Menschen, die in ihrer Fähigkeit zur Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation eingeschränkt oder gestört sind, zum Beispiel: Bewusstlose oder im Koma liegende, beatmete, desorientierte, Schädel-Hirn-traumatisierte, sterbende, demente, stark in ihrer Bewegung eingeschränkte, behinderte Menschen.

Alle diese Menschen brauchen ...

  • körperliche Nähe, um Andere wahrnehmen zu können
  • jemanden, der ihnen die Umwelt auf einfachste Weise nahebringt
  • den Pflegenden, der ihnen Fortbewegung und Lageveränderung ermöglicht
  • Vertrauensperson, die sie auch ohne Sprache versteht und zuverlässig versorgt
  • Geborgenheit, Sicherheit