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Was ist Demenz?

Das Krankheitsbild

Demenz ist der Überbegriff für eine Gruppe von altersbedingten Erkrankungen des Gehirns, die mit behindernden Einschränkungen von geistigen Fähigkeiten einhergehen. Der Krankheitsverlauf ist meistens fortschreitend.

„Weg vom Geist“ bzw. „ohne Geist“ – so lautet die wörtliche Übersetzung des Begriffs „Demenz“ aus dem Lateinischen. Damit ist das wesentliche Merkmal von Demenzerkrankungen erklärt, nämlich der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit.

Was unterscheidet die normale altersbedingte Vergesslichkeit von einer Demenz?

Vergessliche Menschen sind in der Lage, Merkhilfen zu nutzen und Anweisungen zu folgen. Alltägliche Fähigkeiten sind von den Beeinträchtigungen kaum betroffen.

Typische Zeichen einer beginnenden Demenz:

  1. Störungen des Kurzzeitgedächtnisses; Gegenstände werden nicht mehr gefunden; Absprachen, Daten werden vergessen; Routineaufgaben bereiten Probleme.
  2. Orientierungsstörungen: Dinge werden falsch abgelegt, die gewählte Kleidung wirkt unpassend, Verlaufen in gewohnter Umgebung, gestörter Schlaf-Wach-Rythmus.
  3. Sprachstörungen: Verarmung der Sprache, Verständigungsprobleme, Wortfindungsstörungen.
  4. Konzentrationsstörungen; Abwesenheitsgefühl, Überblickverlust bis zur Handlungsunfähigkeit.
  5. Verhaltensauffälligkeiten, psychische Veränderungen: Stimmungsschwankungen, Bedrohungsgefühl, Diebstahlangst, Streitsucht, Reizbarkeit, Unruhe, Interessenverlust, Halluzinationen.

 

In weiteren Verlauf der Krankheit verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses, so dass die Betroffenen zunehmend Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren. Eine Demenz zieht das ganze Sein des Menschen in Mitleidenschaft: Seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben.

Die Diagnose

Demenzerkrankungen können bis zu 100 verschiedene Ursachen haben. Der schleichende Beginn der meisten Demenzerkrankungen ist die Ursache dafür, dass Defizite und auffällige Verhaltensweisen der Erkrankten oft erst im Rückblick als erste Symptome einer Demenz erkannt werden. Es ist aber ausgesprochen wichtig, dass Demenzerkrankungen möglichst frühzeitig diagnostiziert werden. Eine eindeutige Diagnose wird durch einen Facharzt erstellt und ist sehr schwierig. Sie erfolgt durch wiederholte Intelligenz- und Merktests und einer Biopsie. Doch schon der Weg zur Diagnose ist voller Hindernisse, denn ein Symptom der Krankheit ist die fehlende Einsicht: Der Betroffene hat kein Gefühl für seine Defizite oder sein unangebrachtes Verhalten. Angehörige können den Arztbesuch ggfs. mit kleinen „Tricks” forcieren und körperliche Beschwerden für den Arztbesuch vorschieben.

Zur Stellung einer Diagnose gehören verschiedene Untersuchungen:

  • Ermittlung von Risikofaktoren und Kommunikationsfähigkeit in Gesprächen
  • Kontrolle der Blutwerte
  • Ermittlung des neurologischen und psychologischen Status
  • Testdiagnostik (z.B. Uhrentest)
  • Bildgebende Verfahren (CTM)
  • Liquordiagnostik (Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks- Flüssigkeit)


Wer sich von seinem Arzt nicht gut beraten fühlt, sollte unbedingt eine zweite Meinung einholen.

Zum Beispiel „Alzheimer”

Ein Grund für eine Demenz ist die so genannte „Alzheimer-Krankheit”, eine degenerative Krankheit des Gehirns, während deren Verlauf die Nervenzellen des Gehirns unwiederbringlich zerstört werden. Charakteristisch für die Alzheimer-Demenz ist ihr schleichender Beginn. Am Anfang treten kleinere Gedächtnislücken und Stimmungsschwankungen auf, die Lern- und Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Hinzu kommen erste Sprachschwierigkeiten, die Erkrankten benutzen einfachere Worte und kürzere Sätze oder stocken mitten im Satz und „verlieren den Faden“. Örtliche und zeitliche Orientierungsstörungen tauchen auf. Die Patient(inn)en werden antriebsschwächer und verschließen sich zunehmend gegenüber Neuem.

Im weiteren Verlauf der Krankheit werden die Symptome offensichtlich. Die kranke Person ist bei den Alltagsaufgaben wie Körperpflege oder Nahrungsaufnahme zunehmend auf die Unterstützung anderer Menschen angewiesen. Kennzeichnend für dieses Stadium ist eine hochgradige Störung des Gedächtnisses; nahe Verwandte können nicht mehr namentlich benannt werden, das Zeit- und Ortsgefühl geht verloren und die Sprache wird undeutlich und inhaltsleer. Die Erkrankten können ihre Gefühle kaum noch kontrollieren, plötzliche Stimmungsschwankungen, Aggressionen und Depressionen treten verstärkt auf.

Im Spätstadium ist der/die Kranke vollkommen auf Pflege und Betreuung anderer angewiesen. Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt, eine verbale Verständigung ist unmöglich. Körperliche Symptome wie Gangunsicherheit, Schluckstörungen und Krampfanfälle treten vermehrt auf, die Kontrolle über Blase und Darm schwindet.

Zum Beispiel „die frontotemporale Demenz”

Plötzlich erzählt jemand, der sich immer gewählt ausgedrückt hat, ständig schmutzige Witze, ein bis dato zurückhaltender Mann beginnt fremden Frauen nachzupfeifen, die Frau fängt an, im Supermarkt zu stehlen und in Mülltonnen nach Lebensmitteln zu suchen, die sie anschließend unter dem Bett hortet. Ein gepflegter Mensch, der aufhört, sich zu waschen, ständig isst und nur noch nach Pizza verlangt …. Dies alles sind Symptome von Menschen, die an einer frontotemporalen Demenz leiden. Diese Art der Demenz ist genetisch bedingt und tritt oft schon in jungen Jahren auf. Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt bei 57 (der Jüngste ist erst 22 Jahre alt!). Und daraus entwickelt sich auch ein ganz großes Problem für die Angehörigen: Die Erkrankten stehen meist noch vollständig im Arbeitsleben, haben Familien, die sie mit ihrem Verhalten in viele Krisen bringen. Doch der Weg zu einem Arzt ist schwer: Man vermutet oft ganz andere Dinge: Trinkt er oder sie heimlich? Ist da eine Affäre im Spiel? Beim Betroffenen gibt es kaum Einsicht, dass sein Verhalten eine medizinische Ursache haben könnte. „Du bist wohl selber krank” bekommt der Partner zu hören. Starrsinn und Aggression liegen dicht beieinander. Eine heilende Therapie gibt es auch für diese Krankheit noch nicht.

Angehörige Demenzkrankter – egal welcher Art – laufen leicht Gefahr, sich zu isolieren, weil sie auf Ungeduld und Unverständnis stoßen. Darum unsere Bitte: Suchen Sie Kontakt und Hilfe! Wenden Sie sich bei Fragen gern an uns.

Häufig vorkommende Verhaltensweisen bei einer frontotemporalen Demenz:

Häufiges Witzeln und konfrontierendes Verhalten, riskantes Fahrverhalten, nachlassende Körperhygiene, gestörte Impulskontrolle, unbedachte finanzielle Aktionen, Bagatelldelikte (z. B. Stehlen), Hypersexualität oder gar kein sexuelles Interesse, Esssucht (nach bestimmten Speisen), Übermäßiger Alkoholgenuss, Sorglosigkeit, Enthemmung, Antriebslosigkeit, Jähzorn und Aggressivität.

Was kann ich tun?

Demenzkranke durchlaufen eine Persönlichkeitsveränderung und überraschen ihre Umwelt oft durch absonderliches, kaum nachzuvollziehendes Verhalten. Eine angemessene Reaktion darauf erleichtert das Zusammenleben für alle.

1. Angehörige wieder finden
Demenzerkrankte haben oft einen großen Bewegungsdrang und neigen dazu, sich zu verlaufen. Ein Ortungsgerät in der Tasche hilft, den „Verlorenen” wieder zu finden. Wichtig ist auch, dass der Erkrankte immer einen Zettel mit Namen und Adresse bei sich trägt.

2. Gegen den Gewichtsverlust
Demenzerkrankte verlieren manchmal ihr Hungergefühl und können sich schlecht auf das Essen konzentrieren. Mit mundgerechten Häppchen kann der Patient selbst entscheiden was und wann er isst. So vermeidet man auch das „komplizierte“ Prozedere mit Besteck und Tischmanieren.

3. Ausreichend Trinken
Statt Wasser, leicht gesüßte Getränke reichen: Demente essen und trinken viel lieber süß, weil sich im Krankheitsverlauf der Geschmack ändert.

4. Suchen, kramen, sammeln gehören zum Krankheitsbild. Reduzieren Sie die Zahl möglicher Verstecke und räumen Sie die gesammelten Dinge kommentarlos und unauffällig wieder an ihren Platz. Dokumente sollten unerreichbar verschlossen und vor allem auch kopiert werden.

5. Ständiges Fragen – da hilft nur Geduld, mit Logik kommt man nicht weiter. „Das habe ich dir doch vor fünf Minuten gesagt“, bringt dem Betroffenen gar nichts, weil er sich nicht erinnert. Besucher, selbst die eigenen Kinder, sollten sich mit Namen und Verwandtschaftsgrad vorstellen.
Besuch und Aufregung verwirren zusätzlich: Feiern sollten deshalb im überschaubaren Rahmen bleiben.

6. Strukturen und Orientierung
Ein geregelter Tagesablauf mit festen Strukturen gibt Orientierung. In der Wohnung findet sich der Erkrankte besser zurecht, wenn bestimmte Symbole an Türen, Schränken oder Wänden angebracht sind. Es sollte möglichst wenig verändert werden.

7. Aggressivität
Demenzerkrankte sind häufig gereizt, bisweilen sogar aggressiv. Bleiben Sie ruhig, versuchen Sie abzulenken und später den Grund der Wut herauszufinden. Konfrontationen oder den Versuch, den Patienten festzuhalten, sollte man tunlichst vermeiden. Zur eigenen Sicherheit: halten Sie sich
einen Fluchtweg offen.

Was begünstigt eine Demenz?

Risikofaktoren: Hauptrisikofaktor für das Auftreten der meisten Demenzformen ist das Alter, aber auch: Übergewicht, Rauchen, Alkoholmissbrauch, fett- und kalorienreiche Ernährung, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Diabetes, hoher Cholesterinspiegel, Mangel an bestimmten Vitaminen (Folsäure und Vit B12), fehlende geistige Anregungen, Vererbung nur 2%.

Vorbeugung: Gesicherte Vorbeugungsmaßnahmen gibt es nicht. Gut ist, o. g. Punkte vermeiden, Einnahme von Vitamin E und den üblichen Vitaminpräparaten für alte Menschen, Ginkgo-Präparate.

Wird es einen Impfstoff geben?

Das Geld ist eine treibende Kraft im Wettlauf um wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen Demenz. Bei über 24 Millionen Erkrankter winkt den erfolgreichen Pharma-Unternehmen beträchtlicher Gewinn.

Die Behandlung

Ein kleiner Teil der dementiellen Erkrankungen (reversible Demenzen) kann durch Behandlungen wesentlich gebessert werden. Bei den primären Demenzen wie z.B. Alzheimer ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen den Betroffenen, sich mit der Krankheit und ihren Folgen auseinanderzusetzen, bevor sie die Fähigkeit dazu verlieren. Wünsche können so noch erfüllt und bewusst genossen oder seit langem geplante Reisen angetreten werden. Deshalb ist es wichtig, dass Angehörige vermeintliche Symptome nicht verdrängen, sondern sich aktiv mit ihnen auseinandersetzen.

Als Therapie steht eine gute Pflege im Vordergrund. Gesunde Ernährung und körperliche Betätigung sind hilfreich. Eine Heilung ist derzeit für die Mehrzahl der Demenzerkrankungen nicht möglich. Deshalb ist das Hauptziel der Behandlung, die Lebensqualität der Kranken und ihrer Angehörigen zu verbessern.

Medikamente

Es gibt nach wie vor keine Heilungschancen, aber Medikamente, die den Krankheitsverlauf über Monate, manchmal Jahre verzögern können. Ist eine Demenz festgestellt, sollten unbedingt neben erster Therapiemaßnahmen rechtzeitig Formalitäten erledigt werden, wie Testamente oder Betreuungs-, bzw. Patientenverfügungen. Auch wenn dies im Moment schwer fällt.

Eine Therapie durch Medikamente wird genau mit dem Arzt abgestimmt. Leider geht es hier oft um das liebe Geld, denn einige Arzneien sind sehr teuer und werden ungern als Kassenleistung verordnet, weil sie den Arzt schnell an den Rand seines Verschreibungsbudgets bringen. Sprechen Sie ihn ruhig darauf an, manchmal muss man sich für seine Gesundheit und sein Wohlergehen einsetzen.

Pflanzliche Wirkstoffe wie Ginkgo und Vitamin E-Präparate sind preisgünstiger und zeigen oft eine gute Wirkung. Sie können auch prophylaktisch angewendet werden.

Der Umgang mit Demenzerkrankten

Wer vertraut ist im Umgang mit Menschen mit Demenz und Zeit hat, sich auf die Begegnung mit ihnen weiß: All unsere Erinnerungen hängen immer mit Gefühlen zusammen. Zusammenhänge hinsichtlich der Ereignisse fehlen den Betroffenen oft, aber das mindert nicht die Intensität des Erlebens. Daher gilt es in der Demenz, Wege des Kontaktes zu finden, die dieses Erleben ansprechen und somit das Herz berühren.

Die Wege der Kontaktaufnahme sind vielfältig. Da Worte allein nicht immer die Menschen erreichen, ist eine non-verbale Kommunikation erforderlich. Geste und Mimik sagen oft mehr als viele Worte. Ebenso gibt es die kommunikativen Möglichkeiten des Musizierens, des künstlerischen Gestaltens, des Tanzens oder der Bewegungen.